Pre-Shipment-Inspektion nicht bestanden: Was nun?
Ein klarer Entscheidungsweg von der gesperrten Charge über Ursachenanalyse und Nacharbeit bis zur erneuten Freigabe.
Eine nicht bestandene Pre-Shipment-Inspektion bedeutet nicht, die Charge ungeprüft zu versenden. Ware wird gesperrt. Befund, betroffene Merkmale und Reichweite werden dokumentiert. Der Bericht zeigt, was geprüft wurde und gegen welche Referenz die Abweichung festgestellt wurde.
1. Befunde nach Risiko ordnen
Kritische, erhebliche und geringfügige Fehler führen nicht automatisch zur gleichen Maßnahme. Sicherheits- oder Rechtsrisiken verlangen eine andere Reaktion als ein korrigierbares Verpackungsproblem. Gleichzeitig darf ein wiederholter kleiner Fehler nicht unterschätzt werden, wenn er einen großen Teil der Charge betrifft.
2. Ursache und Reichweite feststellen
Die Stichprobe zeigt einen Befund, aber nicht zwingend die genaue Zahl aller betroffenen Einheiten. Der Hersteller muss Ursache, Produktionszeitraum und betroffene Teilmengen nachvollziehen. Je nach Problem ist Sortierung oder eine gezielte Vollprüfung nötig.
3. Nacharbeit schriftlich vereinbaren
- Welche Einheiten werden sortiert oder repariert?
- Welche Methode und Referenz gelten?
- Wer dokumentiert die Nacharbeit?
- Wie verändert sich der Liefertermin?
- Welche Kriterien gelten bei der Nachprüfung?
Mögliche Maßnahmen sind Sortierung, Reparatur, Austausch, Neuverpackung oder teilweise Neuproduktion. Die wirtschaftlich schnellste Lösung ist nicht automatisch technisch akzeptabel.
4. Unabhängig erneut prüfen
Nach der Nacharbeit reicht die Zusage des Herstellers nicht. Eine neue Stichprobe prüft, ob Ursache und dokumentierte Fehler tatsächlich behoben wurden. Erst danach wird über die Versandfreigabe entschieden. Die PSI-Prüfliste und unsere Seite zur Qualitätskontrolle zeigen die notwendige Referenzstruktur.
5. Erkenntnisse in die nächste Bestellung übernehmen
Fehlerbilder, Ursache und Korrektur gehören in Spezifikation, Fehlerkatalog und Prüfplan der Nachbestellung. So wird aus einem Befund eine Prozessverbesserung statt eines wiederkehrenden Problems.
Häufige Fragen
Muss eine nicht bestandene Charge vernichtet werden?
Nicht automatisch. Die Maßnahme hängt von Fehler, Risiko, Reichweite und technisch sauberer Nacharbeit ab.
Reicht ein Foto nach der Nacharbeit?
Bei einer zuvor nicht bestandenen Chargenprüfung sollte eine geeignete erneute Prüfung bestätigen, dass die dokumentierten Fehler behoben wurden.
Wer trägt die Kosten der Nacharbeit?
Das richtet sich nach Vertrag, Ursache und Verantwortlichkeit und muss anhand des konkreten Auftrags geklärt werden.
Quellen
- ISO 2859-1:2026 – Sampling procedures for inspection by attributesInternational Organization for Standardization · Januar 2026 · Zugriff 24.08.2026
- Verordnung (EU) 2023/988 über die allgemeine ProduktsicherheitEuropäische Union · 10.05.2023 · Zugriff 24.08.2026
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